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Internationaler Tag der Flüsse (World Rivers Day)

Internationaler Tag der Flüsse (World Rivers Day) - STIFTUNG WASSER

Internationaler Tag der Flüsse 2026

Warum gesunde Flüsse die Lebensadern unserer Landschaft sind Am 27. September 2026 wird weltweit der World Rivers Day begangen. Der Internationale Tag der Flüsse erinnert daran, dass Flüsse weit mehr sind als Wasserläufe: Sie sind Lebensräume, Transportwege, Landschaftsgestalter, Wasserspeicher und Teil unseres Trinkwasserkreislaufs. Doch wie gesund sind unsere Flüsse tatsächlich? Ein Blick auf Deutschland zeigt erhebliche Fortschritte beim Gewässerschutz – aber auch einen weiterhin großen Handlungsbedarf. Flüsse verbinden Landschaften und Lebensräume. Von kleinen Quellbächen über Nebenflüsse bis zu großen Strömen wie Rhein, Elbe, Donau, Weser, Oder und Ems bilden sie verzweigte ökologische Systeme. Was in einen Bach gelangt, bleibt nicht zwangsläufig dort. Wasser transportiert Nährstoffe, Sedimente, Schadstoffe und Kunststoffe flussabwärts. Flüsse stehen zugleich in Wechselwirkung mit dem Grundwasser und führen das Wasser schließlich in Seen und Meere. Man kann deshalb eine einfache Verbindung formulieren: Quelle → Bach → Fluss → Grundwasser → Trinkwasser → Mensch → Meer Der Schutz der Flüsse ist damit immer auch Schutz unserer Wasserressourcen.

World Rivers Day 2026: ein weltweiter Tag für die Flüsse Der World Rivers Day wird jedes Jahr am vierten Sonntag im September begangen – 2026 fiel er auf den 27. September. Seine Ursprünge reichen bis zum 1980 ins Leben gerufenen „BC Rivers Day“ in British Columbia zurück. Auf Initiative des kanadischen Flussschützers Mark Angelo entwickelte sich daraus 2005 der World Rivers Day. Heute finden in zahlreichen Ländern Aktionen statt: Fluss- und Uferreinigungen, Exkursionen, Bildungsprojekte, Renaturierungsmaßnahmen und Veranstaltungen zum Schutz von Flüssen und ihren Ökosystemen.

Doch ein solcher Aktionstag wirft auch eine grundsätzliche Frage auf: Wie gesund sind unsere Flüsse eigentlich?

Für Deutschland fällt die Antwort differenziert aus. Deutsche Flüsse: Die Wasserqualität hat sich verbessert – der ökologische Zustand häufig nicht Der Gewässerschutz in Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gemacht. Der Ausbau kommunaler und industrieller Abwasserbehandlung sowie strengere Anforderungen an Schadstoffeinleitungen haben die Belastung vieler Flüsse deutlich reduziert. Das Umweltbundesamt stellt beispielsweise fest, dass die Konzentrationen zahlreicher kontrollierter Schadstoffe durch den Ausbau der Kläranlagen, Regulierungen und den Ersatz problematischer Stoffe deutlich zurückgegangen sind. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass unsere Flüsse ökologisch gesund sind. Denn die Qualität eines Flusses hängt nicht allein von seiner chemischen Wasserqualität ab.

Entscheidend sind unter anderem:

• die natürliche Struktur des Flussbettes,

• Strömungsverhältnisse,

• Durchgängigkeit für Fische und andere Organismen,

• Ufervegetation,

• Verbindung zu natürlichen Überschwemmungsflächen und Auen,

• Nährstoff- und Schadstoffbelastungen, • Wassertemperatur und Sauerstoffgehalt sowie

• die Zusammensetzung der Tier- und Pflanzenwelt.

Warum befinden sich so viele Flüsse nicht in einem guten ökologischen Zustand? Eine wesentliche Ursache liegt in der jahrhundertelangen Umgestaltung unserer Flusslandschaften. Flüsse wurden begradigt, vertieft und befestigt. Wehre und Staustufen unterbrachen die Durchgängigkeit. Auen wurden durch Deiche vom Fluss getrennt. Flächen wurden für Landwirtschaft, Siedlungen, Industrie und Verkehr nutzbar gemacht. Das Ergebnis lässt sich heute messen.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes können nur rund 1.200 Kilometer beziehungsweise 1,6 Prozent der kartierten Gewässerstrecken hinsichtlich ihrer Gewässerstruktur als unverändert gelten. Mehr als 60.000 Kilometer der untersuchten Bäche und Flüsse sind dagegen deutlich bis vollständig strukturell verändert. Die bundesweite WRRL-Auswertung zeigt ebenfalls die Dimension: 86 Prozent der Gewässer sind von Belastungen betroffen, die mit Ausbau, Ufersicherung, Begradigung oder Aufstau zusammenhängen. Stoffliche Belastungen betreffen nach dieser Auswertung 98 Prozent der Flüsse, Seen und Küstengewässer.

Flüsse brauchen ihre Auen Zu einem natürlichen Fluss gehört nicht nur das Wasser zwischen seinen Ufern. Ebenso wichtig sind seine Auen – jene Landschaftsräume, die natürlicherweise regelmäßig oder zeitweise überschwemmt werden. Intakte Auen können Wasser aufnehmen und zurückhalten, Lebensräume bereitstellen und zur natürlichen Dynamik von Flusslandschaften beitragen. Damit sind sie zugleich für Biodiversität, Hochwasservorsorge und Klimaanpassung von Bedeutung.

Doch auch hier zeigen die Zahlen erheblichen Handlungsbedarf. Nach dem Auenzustandsbericht gelten lediglich rund 9 Prozent der heute noch überflutbaren Flussauen als sehr gering oder gering verändert. 58 Prozent sind dagegen stark oder sehr stark verändert. Zudem stehen nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz rund zwei Drittel der ursprünglichen Überschwemmungsflächen bei Hochwasser nicht mehr als natürliche Überflutungsflächen zur Verfügung. Renaturierung bedeutet deshalb häufig auch: dem Fluss wieder Raum geben. Renaturierung: Was kann getan werden?

Flussrenaturierung bedeutet nicht zwangsläufig, eine historische Landschaft vollständig wiederherzustellen. Vielmehr geht es darum, natürliche Prozesse wieder stärker zu ermöglichen. Dazu können beispielsweise gehören:

• Rückbau oder Umbau von Wehren,

• Herstellung der Durchgängigkeit für Fische,

• Wiederanbindung von Altarmen,

• Entfernung harter Uferbefestigungen,

• Aufweitung von Gewässerprofilen,

• Entwicklung natürlicher Ufervegetation,

• Wiederherstellung natürlicher Überschwemmungsflächen,

• Rückverlegung von Deichen und

• Wiederanbindung von Auen.

Deutschlandweit wurden seit Beginn der 1980er-Jahre bis 2020 etwa 223 größere Auenrenaturierungsprojekte erfasst. Zwischen 1983 und 2020 konnten an den im Auenzustandsbericht betrachteten 79 Flüssen rund 7.100 Hektarüberflutbare Auen zurückgewonnen werden. Das entspricht allerdings lediglich einer Vergrößerung um rund 1,5 Prozent. Der Handlungsbedarf bleibt deshalb erheblich. Für mehr als 80 Prozent der Oberflächengewässer sind im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie Renaturierungsmaßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume vorgesehen.

Mikroplastik: eine neue Herausforderung für Flüsse

Neben klassischen Schadstoffen rücken zunehmend sogenannte Mikroverunreinigungen und Kunststoffpartikel in den Fokus. Als Mikroplastik werden häufig Kunststoffteilchen mit einer Größe von weniger als fünf Millimetern bezeichnet. Unterschieden wird zwischen primärem Mikroplastik, das bereits in kleiner Partikelform hergestellt wird, und sekundärem Mikroplastik, das durch Alterung, Abrieb und Zerfall größerer Kunststoffprodukte entsteht.

Ein wichtiger Eintragspfad in Gewässer ist der urbane Raum. Regenwasser kann beispielsweise Reifen- und Bremsabrieb sowie weitere Partikel von Straßenflächen aufnehmen. Bei Mischkanalisationen können Starkregenereignisse außerdem dazu führen, dass Mischwasserentlastungen teilweise unbehandelt in Gewässer gelangen. Wie groß die Mikroplastikbelastung deutscher Oberflächengewässer insgesamt ist, lässt sich allerdings noch nicht mit einer einzigen belastbaren Zahl beschreiben.

Ein 2026 veröffentlichter Forschungsbericht des Umweltbundesamtes zur Modellierung und zum Monitoring von Mikroplastikeinträgen stellte fest, dass für repräsentative Eingangsdaten nur wenige verwertbare Studien verfügbar waren. Aufgrund der inkonsistenten Datenlage sind bundesweite Abschätzungen mit großen Unsicherheiten verbunden. Das UBA fordert deshalb weitere harmonisierte Monitoringprogramme und eine stärkere Betrachtung von Regenwassereinleitungen und Mischwasserentlastungen. Gerade bei Mikroplastik gilt daher:

Das Problem ist nachgewiesen – seine bundesweite quantitative Dimension ist aber noch mit erheblichen wissenschaftlichen Unsicherheiten verbunden. Arzneimittelrückstände: unsichtbare Spuren im Wasser Eine weitere Herausforderung sind Arzneimittelwirkstoffe. In Deutschland sind nach Angaben des Umweltbundesamtes rund 2.500 Wirkstoffe der Humanmedizin auf dem Markt. Der jährliche Verbrauch liegt bei mehr als 35.000 Tonnen.

Nach der Einnahme werden Wirkstoffe oder ihre Stoffwechselprodukte teilweise ausgeschieden und gelangen mit dem Abwasser zu den Kläranlagen.

Konventionelle Kläranlagen können zahlreiche dieser Substanzen nicht vollständig entfernen.

Das Umweltbundesamt berichtet, dass in Deutschland inzwischen mindestens 414 unterschiedliche Arzneimittelwirkstoffe, Metaboliten oder Transformationsprodukte in der Umwelt nachgewiesen wurden. Die Funde stammen überwiegend aus Flüssen, Bächen und Seen. Häufig liegen die gemessenen Konzentrationen bis etwa 0,1 Mikrogramm pro Liter. Besonders häufig nachgewiesen werden unter anderem Antiepileptika, Schmerzmittel, Antibiotika, Betablocker und iodierte Röntgenkontrastmittel.

Das Problem besteht nicht darin, dass Flusswasser dadurch unmittelbar zu einem Arzneimittelgemisch in therapeutischer Konzentration würde. Vielmehr handelt es sich um biologisch wirksame Substanzen, die dauerhaft in sehr niedrigen Konzentrationen auf Wasserorganismen und Ökosysteme einwirken können. Für die menschliche Gesundheit sind nach heutigem Kenntnisstand keine Auswirkungen durch die vorhandenen Umweltkonzentrationen bekannt.

Das Umweltbundesamt verweist jedoch auf das Vorsorgeprinzip und darauf, dass die Folgen einer chronischen Aufnahme niedriger Konzentrationen nicht abschließend geklärt sind. Die vierte Reinigungsstufe: Kläranlagen werden weiterentwickelt Die Europäische Union reagiert inzwischen stärker auf Mikroschadstoffe. Die 2025 in Kraft getretene novellierte EU-Kommunalabwasserrichtlinie sieht für bestimmte Kläranlagen eine zusätzliche vierte Reinigungsstufe vor.

Technologien wie Aktivkohle oder Ozonung sollen Stoffe reduzieren, die mit herkömmlichen mechanischen, biologischen und chemischen Verfahren nicht ausreichend entfernt werden. Die Vorgaben werden schrittweise umgesetzt. Große Anlagen ab 150.000 Einwohnerwerten werden grundsätzlich erfasst; für bestimmte kleinere Anlagen ab 10.000 Einwohnerwerten gelten risikobasierte Anforderungen. Bemerkenswert ist auch das vorgesehene Verursacherprinzip: Hersteller von Humanarzneimitteln und Kosmetika sollen grundsätzlich mindestens 80 Prozent der Kosten der vierten Reinigungsstufe und des entsprechenden Monitorings finanzieren, soweit die gesetzlichen Voraussetzungen greifen. Technische Abwasserreinigung allein wird das Problem jedoch nicht lösen. Notwendig sind Maßnahmen entlang der gesamten Stoffkette – von der Entwicklung und Herstellung über Anwendung und sachgerechte Entsorgung bis zur Abwasserbehandlung.

Flüsse im Klimawandel

Der Klimawandel erweitert die Herausforderungen des Gewässerschutzes. Längere Trockenperioden können Abflüsse verringern. Gleichzeitig können Starkregenereignisse und Hochwasser größere Wassermengen innerhalb kurzer Zeit in die Flusssysteme bringen. Sinkt bei Trockenheit der Wasserstand, können sich eingetragene Stoffe weniger stark verdünnen. Erwärmt sich das Wasser, verändern sich zugleich ökologische Bedingungen und Sauerstoffhaushalt. Umso wichtiger werden widerstandsfähige Flusslandschaften. Naturnahe Flüsse und Auen können nicht jedes Hochwasser oder jede Dürre verhindern. Sie können jedoch Wasser zurückhalten, natürliche Dynamik ermöglichen und vielfältige Lebensräume schaffen. Gewässerschutz, Biodiversitätsschutz, Hochwasservorsorge und Klimaanpassung sollten deshalb nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Wasser kennt keine administrativen Grenzen Ein Fluss endet nicht an einer Gemeinde-, Landes- oder Staatsgrenze. Der Rhein verbindet beispielsweise mehrere europäische Staaten, ebenso die Donau. Auch innerhalb Deutschlands fließt Wasser durch zahlreiche administrative Zuständigkeitsbereiche.

Deshalb denkt die europäische Wasserpolitik bewusst in Flussgebietseinheiten und Einzugsgebieten. Dieser Ansatz enthält eine grundlegende Erkenntnis: Wasser verbindet alles, was innerhalb seines Einzugsgebietes geschieht. Landwirtschaft, Industrie, Siedlungsentwicklung, Abwasserbehandlung, Verkehr, Hochwasserschutz und Naturschutz wirken letztlich auf dasselbe Wassersystem.

Der Internationale Tag der Flüsse als Erinnerung Der World Rivers Day ist deshalb mehr als ein symbolischer Umwelttag. Er erinnert daran, Flüsse als lebendige Systeme zu verstehen. Deutschland hat beim Gewässerschutz in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht. Viele klassische Schadstoffbelastungen wurden reduziert, Abwasser wird erheblich besser gereinigt und zahlreiche Renaturierungsprojekte zeigen, dass ökologische Verbesserungen möglich sind. Gleichzeitig sprechen die Zahlen eine klare Sprache: Nur rund 8 Prozent der deutschen Flüsse und Bäche erreichten nach dem bundesweiten Datenstand 2021 mindestens einen guten ökologischen Zustand beziehungsweise ein gutes ökologisches Potenzial. Nur 1,6 Prozent der kartierten Gewässerstrecken gelten strukturell als unverändert. Nur etwa 9 Prozent der heutigen Flussauen sind sehr gering oder gering verändert. Und neue Herausforderungen wie Arzneimittelrückstände, Mikroplastik und andere Spurenstoffe zeigen, dass Gewässerschutz eine dauerhafte Aufgabe bleibt. Vielleicht liegt darin die wichtigste Botschaft des Internationalen Tages der Flüsse:

Einen Fluss zu schützen bedeutet nicht nur, sein Wasser sauber zu halten. Es bedeutet, ihm Raum zu geben. Es bedeutet, seine Quellen, Zuflüsse und Auen mitzudenken. Es bedeutet, Einträge möglichst bereits an ihrer Quelle zu vermeiden. Und es bedeutet zu verstehen, dass das Wasser eines Flusses Teil eines Kreislaufs ist, von dem letztlich auch wir Menschen abhängen.

Gesunde Flüsse sind Lebensadern unserer Landschaft – und ein wesentlicher Bestandteil einer zukunftsfähigen Wasserwirtschaft.

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